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Konzept der Schlei-Akademie

1. Sommerakademie für Bildende Kunst

Eine „Schule des Sehens“ nannte der Maler Oskar Kokoschka (1886 -1980) die erste europäische Sommerakademie, die er im Jahr 1953 in Salzburg gründete. Das akademische Arbeiten wurde als Produktionsstätte von schöpferischen Erkenntnissen verstanden, wie es auch der Konzeptkünstler Joseph Beuys (1921-1986) in Hinsicht auf künstlerisches Lehren und Lernen im Rahmen einer „freien Hochschule für Kreativität“ begriffen hat.

Nach diesen Vorbildern wird in Kappeln die erste inklusive Sommerakademie für Bildende Kunst auf höchstem Niveau mit traditionellen und modernen Inhalten gegründet – die Schlei-Akademie. Neben der klassischen akademischen Verpflichtung prägt das Prinzip der Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt ihr Leitbild und Handeln. Das Motto lautet „Freiraum für Kunst“.

Dieser Freiraum soll jedem Menschen zustehen, um seine Kreativität zu entdecken und zu entwickeln. Daher möchte die Schlei-Akademie mit ihrer inklusiven Leitidee Menschen Zugang zu künstlerischer, akademischer Bildung eröffnen und insbesondere auch jene ansprechen und fördern, die möglicherweise durch Nationalität, Behinderung oder künstlerische Vorbildung festgefahrenen Ausschlusskriterien im Kunstbetrieb unterliegen.

Die Schlei-Akademie findet zum ersten Mal vom 16. Juli bis zum 10. August 2018 in den barrierefreien Räumlichkeiten der Albert-Schweitzer-Schule des St. Nicolaiheims Sundsacker e. V. auf dem Mühlenberg in Sundsacker/Winnemark statt.

Es handelt sich hierbei um ein modernes, weitläufiges Gebäudeensemble mit großzügigen Innen- und Außenanlagen. Sie ermöglichen einer Vielfalt von Menschen, diesen Freiraum für Kunst ungehindert zu nutzen, um sich künstlerisch zu orientieren,
zu entwickeln und fortzubilden.

2. Studierende

Die Schlei-Akademie richtet sich an interessierte Menschen ab 16 Jahre, für die Begegnung und Beschäftigung mit Kunst zu ihrem Leben gehört und an jene, die es sich wünschen.

Sie geht davon aus, dass künstlerische Betätigung und Kreativität durch Individualität, Vielfältigkeit und gegenseitige Inspiration befördert wird. Künstlerische Erkenntnisse und Ergebnisse werden somit auch gesellschaftlich relevant und können Bedeutendes hervorbringen, wenn individuelle und künstlerische Freiheit sich in einem Klima von Respekt, Achtung und Gleichberechtigung entfalten kann.

Die Schlei-Akademie möchte mit ihren Angeboten den Teilnehmenden die Möglichkeit eröffnen, ihren individuellen künstlerischen Weg durch ein vertieftes Studium aktiv zu erweitern, voranzubringen und mit neuen Impulsen zu bereichern.

3. Lehrkräfte

Alle Lehrkräfte an der Schlei-Akademie sind Expertinnen und Experten, in den meisten Fällen akademisch geschulte, aber in jedem Fall professionelle Kunstschaffende mit Lehrerfahrung, die von der Akademieleitung angefragt werden oder sich bewerben können.

Die Auswahlkriterien für eine Lehrtätigkeit richten sich nicht nach biografischen oder körperlichen Normen. Lehrerfahrung und künstlerische Position sind entscheidend und in einer formlosen Bewerbung nachzuweisen.

Wir legen großen Wert auf Mitbestimmung sowie künstlerische Freiheit. Auch unsere Lehrkräfte verpflichten sich dem inklusiven Leitbild der Schlei-Akademie und begegnen Individualität und Vielfältigkeit mit Toleranz, Respekt, Achtung und Wertschätzung.

4. Themen der Kurse

Angeboten werden Kunst-Kurse zu klassischen Themen wie Malerei, Aquarell, Plastik oder Zeichnung, aber auch Street-Art, Fotografie, Keramik, Kalligrafie oder Figurenbau. Spontane Kunst-Aktionen, Ausstellungen und Gesprächsrunden sind außerhalb des festgelegten Kurs-Programms geplant und werden kurzfristig angekündigt.

Öffentliche Auftakt- und Abschlussveranstaltungen, eine abschließende gemeinsame Ausstellung sowie offene Angebote wie zum Beispiel Aktzeichnen, Diskussionsrunden und Vorträge, Grillabende mit Lagerfeuer und Musik sowie Gesprächs- und Aktionsrunden ergänzen das vielfältige Programm der Schlei-Akademie.

5. Weitere Angebote vor Ort

Die Schlei-Akademie findet mitten in der touristischen Hochsaison statt. Es darf also davon ausgegangen werden, dass viele Teilnehmende das künstlerische Lernen und Arbeiten gerne mit Freizeit und Urlaub verbinden möchten. Daher informiert die Schlei-Akademie über Unterkunftsmöglichkeiten und das regionale Kultur- und Freizeitangebot.

Um den Akademiebetrieb und damit den künstlerischen Fluss aufrecht zu halten, wird für preiswerte Zwischenmahlzeiten, Mittagessen und Getränke gesorgt. Auch dürfen die Teilnehmenden ihre eigene Verpflegung mitbringen. Zusätzlich sind Werkstatträume mit Tischlereimaschinen, einem Keramikbrennofen sowie eine Sporthalle für freie Performance, Videokunst oder die Ausstellung großer Objekte vorhanden.

Aufgrund der großzügigen Räumlichkeiten haben auch Rollstuhlnutzende keine Einschränkungen zu befürchten. Zusätzliche Unterstützung, die die Arbeit und das Lernen erleichtern, kann bei der Anmeldung vertraulich angesprochen und individuell abgestimmt werden.

Die Schlei-Akademie ist in ein weit verzweigtes regionales und überregionales Netzwerk eingebunden. Zahlreiche zusätzliche Freizeitaktivitäten können wahrgenommen werden. Dafür gibt es Bus- oder PKW-Beförderung in die nahegelegene Stadt oder auch die Möglichkeit, Mobilitätshilfen, Fahrräder oder Boote auszuleihen.

6. Inklusion im akademischen Betrieb

„Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“

Auszug aus der UN-Konvention, dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, Artikel 30/2

Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention scheitert Inklusion im Kulturbetrieb in der Realität oft noch immer an den bereit gestellten Möglichkeiten und Mitteln. Zu viele Barrieren im öffentlichen Raum verwehren Menschen die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, Zugangshürden und Vorurteile den Zugang zu akademischer Bildung.

Inklusion ist weit mehr als Barrierefreiheit: Die inklusiven Überlegungen müssen von Anfang an in das Konzept, die erforderlichen Strukturen, die Planungen, die Kommunikation bis zur Durchführung und Reflexion durchgängig einfließen. Dieser Herausforderung stellt sich die Schlei-Akademie, um exemplarisch zu erforschen wie eine solche Bildungseinrichtung inklusiv gestaltet werden kann.

Die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen, die unsichtbar bis deutlich sichtbar sein können, facettenreich und vielfältig sind, bedeuten für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung und die Bereitschaft, neue Wege zu erproben. Es braucht Leuchttürme, die die Relevanz und die Vision der inklusiven Idee im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention erfahrbar machen.

Die Schlei-Akademie nimmt diese Herausforderung an und begreift sie als Bereicherung, die neue und grundlegende Erfahrungsmöglichkeiten und Erkenntnisgewinne durch die verbindende Kraft kreativer Prozesse bietet.


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Konzept der Schlei-Akademie